Werner-von-Siemens Realschule, Düsseldorf

Ältere Firmengeschichte                                    

Die Firmengründung

Während seiner Militärzeit und einer Ausbildung an der Artillerie- und Ingenieurschule in Mathematik, Chemie und Physik wurde Werner von Siemens durch Versuche, einen mangelhaft konstruierten und betriebsunsicheren Wheatstone-Telegraphen wieder in Gang zu bringen, zur Erfindung des Zeigertelegraphen angeregt. Für seine Herstellung und den Vertrieb gründete er mit seinem Freund Johan Georg Halske die "Telegraphen Bau-Anstalt Siemens & Halske", die Keimzelle der Siemens AG. Anfangs arbeiteten hier 10 Mitarbeiter. Im Todesjahr von Werner von Siemens, 1892, waren bei Siemens weltweit etwa 6500 Menschen tätig.

 

Auf dem Weg zum Weltunternehmen

Bei den weitreichenden Plänen des Firmengründers erwies es sich bald als nützlich und notwendig, sich im Ausland eine feste Position zu verschaffen. Werner von Siemens beauftragte seine Brüder Wilhelm und Carl und seinen Sohn Arnold mit der Wahrnehmung der Auslandsinteressen. Diese weltoffene, nationale Grenzen überschreitende Einstellung trug Früchte: schon im Jahre 1890 war fast die Hälfte aller Siemens-Mitarbeiter im Ausland beschäftigt. Mit neun Fabriken machte man dort einen Umsatz von 6,6 Millionen Mark. Auslandsgesellschaften in Rußland, England und Österreich waren die ersten Stationen auf dem Wege zum weltweiten Engagement des Unternehmens. Für seine Verdienste um die Entwicklung der Elektrotechnik und für seine tatkräftige Förderung der Wirtschaft im In- und Ausland wurde Werner Siemens 1888 von Kaiser Friedrich III. in den erblichen Adelsstand erhoben.

 

Wilhelm von Siemens

Wilhelm v. Siemens (1855 - 1919) war zunächst neben seinem Onkel Carl und seinem Bruder Arnold und später allein Chef des Unternehmens. Unter seiner Führung wurden Siemens & Halske aufgrund des gestiegenen Kapitalbedarfs 1897 in eine Aktiengesellschaft umgewandelt und 1903 die Siemens-Schuckertwerke und - in Gemeinschaft mit der AEG - die Telefunken-Gesellschaft gegründet. Im Westen Berlins entstand ab 1899 der neue Firmensitz am Nonnendamm, dieser Stadtteil erhielt 1913 den Namen "Siemensstadt". Wilhelm v. Siemens gab vor allem der Industrieforschung kräftige Impulse und förderte mit persönlichem Engagement neue technische Entwicklungen, wie die Metallfadenlampe, den Selbstwählverkehr, die Schnellbahn und den Schnelltelegrafen. In seine Amtszeit fällt auch die Gründung des Siemens-Archivs 1907 und die Ausstellung bedeutender Leistungen des Hauses seit 1916 in Berlin, die Keimzelle des Siemens Museums. Die Mitarbeiterzahl erhöhte sich während seines Wirkens an führender Stelle von 4.000 auf ca. 80.000 und der Umsatz von 17 auf 400 Millionen Reichsmark.

 

Siemens & Halske

Die mit dem Ausbau der Elektroindustrie einhergehende wirtschaftliche Entwicklung der Kommanditgesellschaft Siemens & Halske machte 1897 die Umwandlung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft erforderlich. Durch die Gründung der Siemens-Schuckertwerke und die nach dem 1. Weltkrieg erfolgte Verselbständigung mehrerer Teilgebiete nahm Siemens & Halske seit den 1920er Jahren stärker den Charakter einer Holdinggesellschaft an. Bei den Ausgliederungen und Neugründungen stand die klar erkennbare Beziehung zu der Produktion im Stammbereich des Hauses im Vordergrund. Beim Ausbruch des 2. Weltkrieges war das Haus Siemens nach der Belegschaftsgröße mit weltweit 187.000 Beschäftigten der größte Elektrokonzern der Welt.

 

Siemens-Schuckertwerke

Die Gründung der Siemens-Schuckertwerke GmbH im Jahre 1903 war eine Zusammenfassung der starkstromtechnischen Aktivitäten von Siemens & Halske AG und der Elektrizitäts-AG vorm. Schuckert & Co. Zur leichteren Kapitalbeschaffung auf den ausländischen Kapitalmärkten beschlossen die zwei Teilhaber 1927 die Überführung des Unternehmens in eine Aktiengesellschaft. Die im Zuge des technischen Fortschritts immer größer werdenden Probleme des Ineinandergreifens von Starkstrom- und Schwachstromtechnik veranlaßten Carl Friedrich von Siemens 1939 zur endgültigen Übernahme der Siemens-Schuckertwerke durch Siemens & Halske.

 

Siemens-Reiniger-Werke

Auf dem Gebiet der eletromedizinischen Technik beteiligte sich die Siemens & Halske AG 1925 mehrheitlich an der Erlanger Firma Reiniger, Gebbert & Schall AG, die wiederum beteiligt war an den Veifawerken. Als gemeinsame Vertriebsgesellschaft bildete man die "Siemens-Reiniger-Veifa-Gesellschaft für medizinische Technik mbH". An deren Stelle trat 1932 die Siemens-Reiniger-Werke AG als Tochtergesellschaft der Siemens & Halske AG. Die Siemens-Reiniger-Werke expandierten bis 1939 zu einem der größten, vielseitigsten und leistungsfähigsten elektromedizinischen Unternehmen der Welt mit ca. 4600 Beschäftigten; davon war ein Viertel bei ausländischen Tochtergesellschaften angestellt.

 

1852

Nach den Anfängen in der kleinen Werkstatt Halskes in einem Hinterhof der Schöneberger Straße führte die rasche Expansion des Unternehmens bereits 1852 zum Umzug in eine ausbaufähige Fabrik in der Markgrafenstraße, wo zu Beginn der 70er Jahre ca. 350 Arbeiter beschäftigt waren. Hier wurde 1872 der sogenannte "Amerikanersaal" eingerichtet, in dem man moderne Produktionsmethoden nach dem Prinzip der Arbeitsteilung einführte. Doch auch in der Markgrafenstraße waren die Kapazitäten schließlich ausgeschöpft, so daß 1883 die Starkstromabteilung und die Kabelfertigung nach Charlottenburg an das Salzufer verlegt wurden.

 

1935

1897 erwarb man "vor den Toren der Stadt" auf den Nonnenwiesen am Unterlauf der Spree jenes Gebiet als Fabriksgelände, das bereits 1914 als "Siemensstadt" bezeichnet wurde. 1920 erfolgte durch das Großstadtgesetz die Eingemeindung in Berlin. Die bauliche Gestaltung der Siemens-Werke am Nonnendamm übernahm in den Jahren des 1. Weltkriegs H. Hertlein, der dort die ersten Fabrikhochhäuser Europas errichtete. Eine elektrische Straßenbahn verband ab 1915 Charlottenburg mit Spandau. Zu dieser Zeit hatte die wachsende Gemeinde schon 7000 Einwohner, 23.000 Mitarbeiter waren in den Fabriken und der Verwaltung tätig. Ihren Höchststand erreichte die Beschäftigtenzahl kriegsbedingt 1941 mit etwa 67.000.

 

1945

Nach den Zerstörungen des Krieges und der folgenden Demontage waren in den Berliner Werken von ursprünglich 24.000 Werkzeugmaschinen nur mehr 400 einsatzfähig. Doch bereits nach 14 Tagen Besatzung wurde am 10.Mai 1945 die Wiederaufnahme der Arbeiten gestattet. Im Vordergrund stand die Wiederherstellung der Verkehrs-, Licht- und Kraftanlagen. Ende 1945 belief sich die Beschäftigtenzahl schon auf etwa 14.000. Die Arbeiten bestanden neben den Aufräumarbeiten in der Notfertigung von Fahrradbereifungen, Kohlenschaufeln, Kochtöpfen und Kohlenherden.

 

1946

Bereits in den letzten Kriegsmonaten hatte man in Süd- und Westdeutschland sogenannte Gruppenleitungen etabliert, die nun weitgehend unabhängig von der Berliner Zentrale mit dem Wiederaufbau beginnen. Die Besitzverhältnisse bleiben im Westen unangetastet, doch sind 80 Prozent des Auslandsvermögens verloren sowie sämtliche Patente und Markenrechte. Der Wiederaufstieg zum Weltunternehmen vollzieht sich in zwei Phasen: Zunächst erfolgt der Wiederaufbau im Inland, ab Mitte der 50er Jahre wird das Exportgeschäft in Angriff genommen. Der Firmensitz wird wegen des Berlin-Problems aufgeteilt und die Firmenleitung den politischen Gegebenheiten entsprechend 1957 nach München verlegt.

 

1966

Zur Bündelung der Aktivitäten des Unternehmens werden 1966 Siemens & Halske, die Siemens-Schuckertwerke und die Siemens-Reiniger-Werke zur Siemens AG verschmolzen. Dieses einheitliche Auftreten erhöht vor allem die Schlagkraft auf dem Weltmarkt. Das Unternehmen verfügt zu dieser Zeit weltweit über 257.000 Mitarbeiter, der Umsatz beträgt 7,8 Milliarden Deutsche Mark. Einzelne Teilgebiete werden in rechtlich selbständigen Gesellschaften weitergeführt: So 1967 die Bosch-Siemens Hausgeräte GmbH (BSHG) und 1969 (zusammen mit der AEG) die Kraftwerk Union (KWU), die 1977 (ebenso wie ein Jahr später OSRAM) vollständig übernommen wird. Außerdem geht man zahlreiche Kooperationen mit ausländischen Unternehmen ein.

 

1989

Kundennähe und Flexibilität sind die Voraussetzungen für den Erfolg auf einem immer komplexer werdenden Weltmarkt. Daher gibt sich Siemens 1989 bei weltweit 370.000 Mitarbeitern eine neue Organisationsstruktur mit einer vermehrten Zahl von Unternehmensbereichen. Sie reagieren eigenverantwortlich und beweglich auf die Herausforderungen eines Marktes, der sich zunehmend schwieriger gestaltet. 1990 wird als größtes europäisches Unternehmen dieser Branche die Siemens Nixdorf Informationssysteme AG (SNI) gegründet. Die Weltmarktstellung wird u.a. durch die Übernahme von Plessey (Großbritannien) 1991 und Rolm (USA) 1992 weiter ausgebaut.