Werner-von-Siemens Realschule, Düsseldorf

Arbeiten in der Telegraphie                               

Werner von Siemens Arbeiten in der Telegraphie

Eine wichtige Erfindung von Werner von Siemens war der Zeigertelegraph, den er 1847 entwickelte. Die Übermittlung von Informationen erfolgte durch rotierende Zeiger, die beim Sender auf Fingerdruck an den zu sendenden Buchstaben angehalten wurden. Eine Depesche wurde also Buchstabe für Buchstabe übertragen und beim Empfänger notiert. Die Reichweite betrug ca. 50 Kilometer, als Energiequelle dienten elektrische Batterien.

 

  Zeigertelegraph

 

 

Mit der Verbreitung der Telegraphenlinien im 19. Jahrhundert vergrößerte sich die Anzahl der benötigten Batterien für ihren Betrieb. 1853 wurde z. B. der Bau des russischen Ferntelegraphennetzes von Siemens & Halske mit Morsetelegraphen in Angriff genommen und zwei Jahre später vollendet. Es hatte eine Länge von mehr als 10.000 Kilometern und erstreckte sich von Finnland über St. Petersburg, Moskau, Kiew, Odessa bis zur Krim. Andere Linien gingen auch durch Warschau und Myslowitz. Die Batterien waren jedoch teuer und umständlich zu warten. 1856 erfand Werner von Siemens den Doppel-T-Anker anläßlich eines Auftrags der Bayrischen Staatsbahn über Telegraphenapparate. Die mit ihm ausgerüsteten Magnetinduktionstelegraphen benötigten keine Batterien mehr, da der Strom durch Kurbelbewegung beim Telegraphieren selbst erzeugt wurde. Diese Erfindung kam aber nicht nur bei der Telegraphie, sondern bei den verschiedensten Anwendungen zum Einsatz und erwies sich 10 Jahre später als grundlegend für die Dynamomaschine.

 

  Doppel-T-Anker

 

 

Ostindien bildete seit 1605 die wichtigste Kolonie Großbritanniens. Der Nachrichtenverkehr zwischen Mutterland und Kolonie stellte jedoch ein großes Problem dar: ein Brief von London nach Kalkutta benötigte z. B. 30 Tage. So entschloß sich die englische Regierung zum Bau einer Landtelegraphenlinie. Nach nur zwei Jahren Bauzeit konnten Siemens & Halske die 11.000 Kilometer lange Telegraphenlinie von London nach Kalkutta für den Betrieb freigeben. Eine Depesche nach Teheran benötigte nur mehr eine Minute, nach Kalkutta dauerte es nur sensationelle 28 Minuten. Die Linie war als Freileitung bzw. Seekabel ausgeführt und war in Teilbereichen noch bis in die 60er Jahre des 20. Jahrhunderts in Betrieb.

 

  Telegraphenlinie

     

 

 

Seekabel

1859 erhielt Siemens & Halske den Auftrag für die elektrische Überwachung der von der Firma Newall & Co. ausgeführten Kabellegung durch das Rote Meer von Suez nach Aden sowie für die Lieferung und Installation der benötigten Apparate. Die Strecke war Teil einer Linie nach Kurrachee in Indien mit einer Länge von 3500 Seemeilen. Werner von Siemens betreute selbst die Arbeiten vor Ort. Diese Zeit war für ihn nicht nur aus der Perspektive technischer Erkenntnisse interessant. Auch einige persönliche Erlebnisse wie der Aufenthalt in Korfu, die Besichtigung der Cheops-Pyramide bei Kairo, aber auch der auf Rückfahrt von Aden erlittene Schiffbruch im Roten Meer und die anschließenden Rettung durch ein Militärschiff gehörten zu seinen Erinnerungen.

 

Schlitteninduktor 1847

Der Schlitteninduktor wurde nach Vorstellungen des Physiologen Emil Du Bois Reymond von Siemens entwickelt und für Nervenbehandlungen mit Wechselstrom verwendet. Es handelte sich um einen Transformator, dessen Spannung durch Verschieben der äußeren Spule und des Kerns eingestellt werden konnte. Eine wesentlich größere Ausführung des Induktors stellte Siemens auf der 2. Londoner Weltausstellung 1862 vor. Nach 1895 dienten solche Induktoren als Stromquelle für Röntgenröhren.

 

 

   Eisenbahnläutewerk 1847

 

Von Anfang an widmete sich Werner von Siemens Aufgaben der Eisenbahnsignaltechnik. Er ließ in Berlin schon 1847 Läutwerke bauen, die auf Bahnhöfen und an Bahnübergängen aufgestellt wurden. Sie signalisierten die Abfahrt eines Zuges durch Glockenschläge. Insgesamt lieferte Siemens bis zum Jahre 1897 über 40 000 Läutewerke im Werte von 7,5 Millionen Goldmark. Carl Frischen entwickelte 1870 den für die Zugsicherung bedeutenden elektrischen Streckenblock. Hierbei kuppelte man Signal und Blockapparat elektrisch miteinander. Ein Zug erhielt jeweils nur dann Einfahrt in einen Streckenabschnitt, wenn dieser von der Gegenstation elektrisch "entblockt" war, also freie Fahrt anzeigte.

 

Elektrische Meßtechnik 1860

Werner von Siemens führte exakte Meßmethoden in die Elektrotechnik ein. Für die Messung von Strom, Spannung und Widerstand konstruierte er eigene Geräte. Er entwickelte das erste reproduzierbare Widerstandsmaß, die Siemens-Einheit. Dieses Maß wurde unter seiner Mitwirkung auf den Internationalen Elektrizitätskongressen in Paris 1881-1884 in leicht modifizierter Form als 1 Ohm festgelegt.

 

Dynamoelektrische Prinzip 1866

Die Dynamomaschine ist die wohl bedeutendste Leistung auf dem Gebiet der Elektrotechnik. Sie konnte mechanische Energie auf wirtschaftliche Weise in elektrische Energie umwandeln. Mit ihr konnte man auf billige und bequeme Weise überall dort elektrische Ströme erzeugen, wo Arbeitskraft zur Verfügung stand. Diese Erfindung war der Grundstein für die heutige Elektrotechnik. Noch heute ist der Kraftwerksbau ein wichtiges Arbeitsgebiet der Siemens AG.

 

Telephon 1877

Mit der Erfindung des Telephons durch Philipp Reis und den Verbesserungen von Alexander G. Bell und David E. Hughes gelang es, die menschliche Stimme auf elektrischem Weg zu übertragen. Werner von Siemens griff die großartige Idee auf und konstruierte eigene Telephonapparate. Er verbesserte den magnetischen Kreis des Bellschen Telephons. Dazu benutzte er Hufeisenmagnete und wickelte die Spulen auf Polschuhe aus Weicheisen, um die Wirbelstromverluste klein zu halten. Dadurch wurde die menschliche Stimme lauter und deutlicher übertragen.

 

Fernsprechvermittlung 1881

Zu Beginn des Fernsprechwesens mußte die Verbindung zweier Teilnehmer mühsam von Beamten - später vom "Fräulein vom Amt" abgelöst - hergestellt werden. Ferngespräche waren noch nicht möglich. Am Jahresende 1881 konnten in Berlin etwa 500 Teilnehmer miteinander telephonieren. Heute werden 98% aller Telephongespräche weltweit vollautomatisch vermittelt.

 

 

  Guttaperchapresse 1847

 

Werner von Siemens schaffte durch diese Erfindung die Voraussetzung für die Fabrikation von Land- und Seekabeln. Zur Herstellung elektrischer Nachrichtenverbindungen wurden im vorigen Jahrhundert zunächst ausschließlich Freileitungen verwendet. Kabel waren jedoch erforderlich, wenn Streckenabschnitte durch Erdreich oder Wasser führten. Im Gegensatz zu nicht isolierten Freileitungen mußte Kabel mit einem Isoliermaterial ummantelt werden. Anfangs wurde Guttapercha - der erstarrte Saft des Guttaperchabaumes - als Isoliermittel verwendet, heute sind hochwertige Kunststoffe an diese Stelle getreten.